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Das Herz, das nicht vergeben wollte

Autor: kola 28.06.2026

Freikirche der Siebenten Tags Adventisten in Landshut _ schwarzer Bauer auf einem Schachfeld

„Der Mann ging hinaus und traf dort einen anderen Verwalter, der schuldete ihm 100 Silberstücke. Er packte ihn an der Kehle, würgte ihn und sagte: ,Bezahl deine Schulden!‘ Der andere fiel vor ihm auf die Knie und flehte ihn an: ,Hab Geduld mit mir! Ich werde es dir zurückzahlen.‘ Aber das wollte der Mann nicht - im Gegenteil: Er ging weg und ließ seinen Mitverwalter ins Gefängnis werfen. Dort sollte er bleiben, bis seine Schulden bezahlt waren.“ Matthäus 18,28-30 (BasisBibel)

Wenn ich das, was Jesus hier als Gleichnis erzählt hat, wirklich erlebt hätte, würde ich mich fragen, ob ich im falschen Film gelandet bin. Erst hätte ich mich über das Happy End für den hoch verschuldeten Verwalter gefreut, das doch recht überraschend kam. Die Barmherzigkeit des Königs triumphierte über die eigentlich berechtigte Forderung der Schuldentilgung - Grund genug, sich mitzufreuen.

Doch was danach passierte, war nicht einfach nur ein Szenenwechsel, sondern die blanke Katastrophe. Kaum war der begnadigte Verwalter in Freiheit, behandelte er einen Kollegen, der ihm nur eine vergleichsweise geringe Summe schuldete, so unbarmherzig, dass es mir schier unglaublich scheint. Wie kann auf so viel unverdient erfahrene Güte mit derartiger Unnachgiebigkeit und Brutalität reagiert werden?! Der Kontrast könnte nicht größer sein!

Da stellt sich schon die Frage: Warum hat Jesus den Verlauf dieser Geschichte so extrem dramatisiert? Offensichtlich deshalb, um uns in überspitzter Form einen Spiegel vorzuhalten. Petrus wollte damals wissen, ob es reiche, wenn man seinen Mitmenschen siebenmal vergebe. Jesu Antwort: Nein, sondern „siebzigmal siebenmal“ (V. 21-22). Der Dialog mit Petrus war dann der eigentliche Auslöser für dieses Gleichnis. In den Versen 31-34 wird geschildert, dass der zunächst überglückliche Verwalter aufgrund seines schäbigen Verhaltens doch noch die volle Härte des Gesetzes erleiden musste. Schließlich endet das Ganze mit der Warnung Jesu: „So wird mein Vater im Himmel auch euch behandeln - wenn ihr eurem Bruder oder eurer Schwester nicht von Herzen vergebt.“ (V. 35 BB)

Wer Gottes Vergebung erfahren hat, sollte niemals anderen die Vergebung verweigern. Das widerspricht der Absicht Gottes, denn er will, dass wir nach seinem Beispiel handeln und anderen vergeben, so wie er uns vergeben hat. Wenn wir das nicht beachten, verpassen wir es, Gottes Willen zu tun.

Jürgen Schammer

© Advent-Verlag Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung 

Die hier wiedergegebene Andacht ist aus dem Andachtsbuch des Advent-Verlag Lüneburg entnommen. Die folgenden Links führen zu verschiedenen Versionen des aktuellen Andachtsbuchs: als Buch, als PDF.

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